Terminplaner

06.06.2012
Mittwoch
19:00 Uhr
Mittwoch
19:00 Uhr
Offene Jahreshauptversammlung CDU Rösrath
Treffpunkt:
Forsbacher Mühle
Thema: Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr – Erfahrungsbericht aus Masar-i-Sharif
Von Oberleutnant Jens Nettekoven
Artikel aus der Onlineausgabe des Remscheider Generalanzeiger (rga):
Am Tag zuvor hatten sie noch miteinander Fußball gespielt, dann starb Hauptfeldwebel Tobias Langenstein. Eine Bombe der Taliban tötete den 30-Jährigen aus Bremen und ließ seinen Vorgesetzten, den Remscheider Jens Nettekoven, zurück. Fassungslos. Und um eine Erfahrung reicher.
Denn so ist Afghanistan, sagt Nettekoven heute: "Tod und Verwundung gehören dazu wie Hitze und Staub."Davon hat der 33-jährige Ehemann und Vater der 13-monatigen Lisa in den vergangenen Monaten so einiges mitbekommen. Im Februar war der Oberleutnant, der zugleich Vorsitzender der CDU Remscheid ist, von der sicheren Bonner Hardthöhe nach Masar-i-Sharif in Afghanistan abkommandiert worden.
Im dortigen Lager der Bundeswehr hatte der Militärpolizist für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, außerhalb des Camps bei den Afghanen um Vertrauen zu werben und außerdem prominente Besucher zu schützen: die deutschen Minister Guido Westerwelle, Dirk Niebel und Thomas de Maizière ebenso wie König Carl Gustaf von Schweden.
Jetzt, viereinhalb Monaten später, ist Nettekoven zurück in Remscheid. Wohlbehalten schloss er Frau Barbara und Töchterchen Lisa in die Arme. "Als ich ging, konnte sie noch nicht laufen", sagt er und streicht seinem kleinen Mädchen über den Kopf.
Was er außerdem vermisst hat? "Privatsphäre", sagt Nettekoven. "Mal sonntags ausschlafen, sich in die Badewanne legen. Und wieder grüne Wiesen sehen." Auf das bergische Regenwetter hat er sich deshalb gefreut. "So lernt man Dinge zu schätzen, die man früher nicht so zu schätzen wusste." Auch Demokratie, Menschenrechte, Sicherheit.
16 Soldaten und zivile Mitarbeiter der Vereinten Nationen haben die Aufbauhelfer in der Zeit seines Aufenthalts in Afghanistan verloren. "Das ist in etwa ein Toter pro Woche", zählt Nettekoven auf. Darunter Tobias Langenstein aus Bremen, den alle nur Tobi nannten.
Nach dem Tod des Kameraden am 25. Mai bei einem Bombenanschlag, der Deutschlands oberstem Soldaten in Afghanistan, Generalmajor Markus Kneip (55), gegolten hatte, organisierte Jens Nettekoven das "Line up" der Kameraden: die Truppen stehen Spalier, während die Särge an ihnen vorbeiziehen. Das, erklärt der Remscheider, "war mein bisher schwierigster Tag bei der Bundeswehr".
Danach wollte er "Gutes tun", wie er sagt. Gegen den Hass und für die Kinder des Landes arbeiten. Gemeinsam traten die Soldaten in Erinnerung an ihren Kameraden zu einem Benefiz-Fußballturnier an. Das Geld floss in eine Schule, die danach erstmals Fenster und eine Tafel bekam. Aus Deutschland ließ Nettekoven Sitze kommen für verwaiste Schaukelgerüste. "Die Kinder haben sich wahnsinnig gefreut."
Angst? Nein, die habe er selbst nicht gehabt, sagt der Remscheider. Seine Frau und die Eltern daheim schon. Täglich ließ er sie per Telefon wissen: Ja, es gehe ihm gut. In einem heißen, staubigen Land, in dem, wie er selbst durch den Verlust eines Kameraden erfahren musste, Leben und Tod manchmal nur wenige Stunden beieinander liegen.
Forsbacher Mühle
Thema: Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr – Erfahrungsbericht aus Masar-i-Sharif
Von Oberleutnant Jens Nettekoven
Artikel aus der Onlineausgabe des Remscheider Generalanzeiger (rga):
Jens Nettekoven wohlbehalten aus Afghanistan zurück
Von Axel RichterAm Tag zuvor hatten sie noch miteinander Fußball gespielt, dann starb Hauptfeldwebel Tobias Langenstein. Eine Bombe der Taliban tötete den 30-Jährigen aus Bremen und ließ seinen Vorgesetzten, den Remscheider Jens Nettekoven, zurück. Fassungslos. Und um eine Erfahrung reicher.
Denn so ist Afghanistan, sagt Nettekoven heute: "Tod und Verwundung gehören dazu wie Hitze und Staub."Davon hat der 33-jährige Ehemann und Vater der 13-monatigen Lisa in den vergangenen Monaten so einiges mitbekommen. Im Februar war der Oberleutnant, der zugleich Vorsitzender der CDU Remscheid ist, von der sicheren Bonner Hardthöhe nach Masar-i-Sharif in Afghanistan abkommandiert worden.
Im dortigen Lager der Bundeswehr hatte der Militärpolizist für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, außerhalb des Camps bei den Afghanen um Vertrauen zu werben und außerdem prominente Besucher zu schützen: die deutschen Minister Guido Westerwelle, Dirk Niebel und Thomas de Maizière ebenso wie König Carl Gustaf von Schweden.
Jetzt, viereinhalb Monaten später, ist Nettekoven zurück in Remscheid. Wohlbehalten schloss er Frau Barbara und Töchterchen Lisa in die Arme. "Als ich ging, konnte sie noch nicht laufen", sagt er und streicht seinem kleinen Mädchen über den Kopf.
Was er außerdem vermisst hat? "Privatsphäre", sagt Nettekoven. "Mal sonntags ausschlafen, sich in die Badewanne legen. Und wieder grüne Wiesen sehen." Auf das bergische Regenwetter hat er sich deshalb gefreut. "So lernt man Dinge zu schätzen, die man früher nicht so zu schätzen wusste." Auch Demokratie, Menschenrechte, Sicherheit.
16 Soldaten und zivile Mitarbeiter der Vereinten Nationen haben die Aufbauhelfer in der Zeit seines Aufenthalts in Afghanistan verloren. "Das ist in etwa ein Toter pro Woche", zählt Nettekoven auf. Darunter Tobias Langenstein aus Bremen, den alle nur Tobi nannten.
Nach dem Tod des Kameraden am 25. Mai bei einem Bombenanschlag, der Deutschlands oberstem Soldaten in Afghanistan, Generalmajor Markus Kneip (55), gegolten hatte, organisierte Jens Nettekoven das "Line up" der Kameraden: die Truppen stehen Spalier, während die Särge an ihnen vorbeiziehen. Das, erklärt der Remscheider, "war mein bisher schwierigster Tag bei der Bundeswehr".
Danach wollte er "Gutes tun", wie er sagt. Gegen den Hass und für die Kinder des Landes arbeiten. Gemeinsam traten die Soldaten in Erinnerung an ihren Kameraden zu einem Benefiz-Fußballturnier an. Das Geld floss in eine Schule, die danach erstmals Fenster und eine Tafel bekam. Aus Deutschland ließ Nettekoven Sitze kommen für verwaiste Schaukelgerüste. "Die Kinder haben sich wahnsinnig gefreut."
Angst? Nein, die habe er selbst nicht gehabt, sagt der Remscheider. Seine Frau und die Eltern daheim schon. Täglich ließ er sie per Telefon wissen: Ja, es gehe ihm gut. In einem heißen, staubigen Land, in dem, wie er selbst durch den Verlust eines Kameraden erfahren musste, Leben und Tod manchmal nur wenige Stunden beieinander liegen.
Quelle: CDU Stadtverband Rösrath



